Morbus Crohn als Beispiel für eine Autoimmunerkrankung

Autoimmunerkrankungen sind Krankheiten, die sich gegen den eigenen Körper richten. Der Angriff auf den Körper geht dabei vom eigenen Immunsystem aus. Grundsätzlich kann jedes Gewebe von der eigenen Immunabwehr angegriffen werden. Deshalb können Autoimmunerkrankungen an verschiedenen Organen lokalisiert sein.

Die Entstehung von Morbus Crohn ist noch nicht eindeutig geklärt. Medikamente die Immunreaktionen hemmen, zeigen allerdings gute Wirkungen. Deshalb wird angenommen, dass die Erkrankung ebenfalls unter den Sammelbegriff fällt. Wie bei allen Autoimmunerkrankungen kann kein Erreger nachgewiesen werden und auch die Entstehung dieser Erkrankungen ist noch nicht geklärt. Morbus Crohn kann im gesamten Verdauungstrakt lokalisiert sein, der auch den Mundraum umfasst. Es handelt sich dabei um eine chronische und entzündliche Erkrankung. Bevorzugt werden Dünndarm, Dickdarm und Speiseröhre befallen. Kranke Darmabschnitte können sich dabei mit gesunden Abschnitten abwechseln.

Bedingt durch den Befall treten Bauchschmerzen und Durchfall auf. Sehr oft sind die Schmerzen im rechten Unterbauch lokalisiert, so dass sie leicht mit einer Blinddarmentzündung verwechselt werden können. Appetitlosigkeit, Fieber, Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen können weiterhin vorhanden sein. Diese Symptome werden durch die entzündlichen Vorgänge und die Beeinträchtigung der Darmfunktion bedingt.

Die Erkrankung kann weitgehend symptomlos verlaufen. Bei Kindern kommt es durch eine mangelhafte Aufnahme von Nährstoffen in den Körper sehr oft zu Wachstums- und Gedeihstörungen. Darüber hinaus können begleitende Erkrankungen entstehen. Bei Autoimmunerkrankungen ist ein Charakteristikum der schubweise Verlauf. Dieser ist auch bei Morbus Crohn vorhanden. Die Schübe können mehrere Wochen andauern. Es sind allerdings auch Fälle mit andauernden Verläufen bekannt.

Umweltschadstoffe als eine Ursache von Morbus Crohn

Derzeit sind die Krankheitsursachen des Morbus Crohn noch ungeklärt. Deshalb werden viele verschiedene Auslöser diskutiert. Eine Theorie geht von der Belastung durch Umweltschadstoffe aus.

Umweltschadstoffe sind alle Stoffe, die von außen in den Körper aufgenommen werden. Im Organismus sorgen sie für Störungen, die dann schließlich in Krankheiten münden. Gerade bei Morbus Crohn ist festzustellen, dass beispielsweise durch den Verzicht auf das Rauchen ein Besserung eintreten kann. Zigaretten sind mit mehreren hundert Stoffen belastet, die beim Inhalieren in den Körper aufgenommen werden. Eine genetische Disposition bei Morbus Crohn bildet die Voraussetzung einer eingeschränkten Immunabwehr im Darm. Rauchen verengt die Blutgefäße, so dass in der Kombination die typischen Symptome und Verläufe stattfinden können. Ein Indiz für diese Theorie ist, dass die Schübe der Erkrankung durch den Entzug des Rauchens verzögert werden.

Darüber hinaus könnten auch alle anderen Gifte der Umwelt für die Entstehung verantwortlich sein. Mögliche Ursachen können chemische Stoffe sein, die überall zu finden sind und im Alltag verwendet werden. Daneben kommen auch Schwermetalle und Luftverschmutzung als Auslöser infrage. Die Untersuchungen sind allerdings sehr kompliziert, so dass bisher keine Belege für diese Annahmen gefunden wurden.

Problematisch ist vor allem der Umstand, dass auch Menschen die kaum mit Umweltschadstoffen in Berührung kommen, von der Erkrankung betroffen sind. Deshalb kann keine direkte Zuordnung zu einem Gift erfolgen. Allerdings könnte die genetische Disposition der Wegbereiter sein. Unterschiedliche Ausprägungen der Disposition könnten dann in der Folge dazu führen, dass bei einigen Personen hohe Umweltgiftkonzentrationen notwendig sind, während bei anderen Personen nur geringe Mengen ausreichen.

Die Darmflora und -schleimhäute bei Morbus Crohn

Darmflora

Der zur Gruppe der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gehörende Morbus Crohn begleitet nicht nur die Betroffenen ein Leben lang, sondern nimmt genauso stetig immer wieder Einfluss auf die Darmflora und -schleimhäute, weswegen das dortige Immunsystem Unterstützung benötigt. Am meisten betroffen ist bei Morbus Crohn dabei der Übergang vom Dünn- zum Dickdarm. Das am meisten verbreitete, unterschiedlich stark auftretende Symptom ist Durchfall mit Schmerzkrämpfen.

Ein vorweg: Die Krankheit ist nicht heilbar. Dennoch gibt es eine Reihe von Therapieansätzen, um das Wohlbefinden und damit die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dazu gehört unter anderem, der Darmflora und den angegriffenen Darmschleimhäuten immer mal wieder eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Ganzheitlich ansetzende Maßnahmen – jenseits von Medikamentengaben – können hier schon Teilerfolge erringen. Etwa, in dem die Ruhephasen zwischen den entzündlichen Schüben verlängert werden: Ein unter Umständen therapeutisch unterstütztes Stressmanagement gehört ebenso dazu wie das Ausschalten des Risikofaktors Rauchen. Und auch, wenn es keine allgemeingültige Schonkost oder -diät für Morbus Crohn gibt, so empfiehlt es sich doch, möglichst starkblähende Nahrungsmittel wie Kohl oder Zwiebeln zu meiden oder nur in Maßen zu sich zu nehmen. Gleiches gilt, vor allem während eines entzündlichen Schubs, für Milchzucker.

Auch eine von Zeit zu Zeit aktiv vorgenommene Darmsanierung kann die Verlaufsprognose begünstigen. Eine gründliche Darmreinigung, etwa mittels der Colon-Hydro-Therapie (eine spezielle Form der Darmspülung), steht dabei am Anfang, damit die Schlacken und Giftstoffe ausgespült werden. Im Anschluss helfen Probiotika, die Darmflora wieder aufzubauen und unterstützen eine gesunde Bakterienbesiedlung auf den Darmschleimhäuten. Eine begleitende Obst- und Gemüsediät bzw. eine basische Ernährung ergänzen dies sinnvoll.

Morbus Crohn und Schwangerschaft

Schwangere Frau

 

Vor allem jüngere weibliche, aber auch männliche Morbus Crohn-Patienten stehen früher oder später vor der Frage, wie mit einer möglichen Schwangerschaft umgehen oder diese planen. Die gute Botschaft vorweg: Prinzipiell steht dem Nachwuchs nichts im Wege, es gilt aber ein paar Spielregeln zu beachten.

Gewöhnlich sind weder die Fruchtbarkeit der Frau beeinträchtigt noch die Zeugungsfähigkeit des Mannes. Im Idealfall fallen Zeugung und Schwangerschaft in eine Ruhephase des Morbus Crohn, wo der/die Patient/in beschwerdefrei und möglichst auch keiner oder nur geringer Medikamentierung ausgesetzt ist – letztere müssten nämlich je nach Inhaltsstoffen gegebenenfalls mit Eintritt der Schwangerschaft abgesetzt werden. Es ist zu lesen, dass eine kanadische Studie gezeigt hat, dass bei 80 Prozent der Betroffenen der Morbus Crohn während der Schwangerschaft inaktiv blieb. Was im Umkehrschluss jedoch heißt, dass gut 20 Prozent der schwangeren MC-Patientinnen mit den Folgen eines Akutschubs zu kämpfen haben.

Gewöhnlich ist der Schwangerschaftsverlauf an sich aber nicht anders als bei gesunden Frauen auch. Bei schweren Entzündungsschüben jedoch, hinzukommenden Fisteln oder wenn gar große Teile des Dickdarmes der Mutter entzündet sind, kann es im Vergleich gesehen öfter zu Früh- oder Fehlgeburten kommen. Beruhigend: Die Quote liegt aber nur mäßig über dem normalen Durchschnitt.

Übrigens: Das Ausbleiben der Regelblutung in oder nach einem akuten MC-Schub, erklärt möglicherweise, warum ein Kinderwunsch aktuell unerfüllt bleibt. Aber er bedeutet aber nicht, dass die Morbus Crohn-Patientin nie schwanger werden kann und daher nicht verhüten sollte. Gleiches gilt für die Fruchtbarkeit des Mannes. Männliche MC-Kranke haben nämlich nur medikamentenbedingt öfters eine geringere, unbeweglichere Spermien-Anzahl. Ein Wechsel oder Absetzen kann helfen.

Kortison bei Morbus Crohn

Kortison-Präparate bei Morbus Crohn galten lange Zeit als unentbehrlich in der Therapie von Morbus Crohn. Erstaunlich, wenn man bedenkt, welche Nebenwirkungen der Wirkstoff mit sich bringt. Jedoch – auch heute noch ist Kortison manchmal der Weisheit letzter Schluss, um einen schweren entzündlichen Schub in den Griff zu bekommen. Denn eins hat das Kortison dem ihm den Rang ablaufenden Immunsuppressiva noch immer deutlich voraus: Es wirkt zumeist schneller.

Schon lange ist die entzündungshemmende Wirkung von Kortison, Mediziner sprechen im Fachjargon von Corticosteroiden, als verlässlich bekannt. Der Wirkstoff – der menschliche Körper produziert ihn in der Nebennierenrinde übrigens auch selbst – hemmt nämlich die Entwicklung und Vermehrung von weißen Blutzellen, also Entzündungszellen, im Knochenmark. Zudem verhindert es deren Einwandern von der Blutbahn in den Darm.

Leider hat Kortison, oft wird in dem Zusammenhang auch einfach nur der Begriff Steroide benutzt, viele unerwünschte Nebenwirkungen – egal, ob es sie natürlichen oder synthetischen Ursprungs sind. Den künstlich hergestellten Steroiden sagt man immerhin eine verbessere Wirkung nach. Ob das den Morbus Crohn-Patienten über unangenehme Begleiterscheinungen wie ein Mondgesicht, Gewichtszunahme, Akne oder (bei Frauen) Zyklusstörungen hinwegtröstet? Noch schlimmer sind zudem Folgen wie Diabetes, hoher Blutdruck, grauer oder grüner Star, Osteoporose, eine Schrumpfung der Nebenniere oder gar Nervenschädigungen. Auch die Infektionsneigung kann steigen.

Aus diesen Gründen eignet sich Kortison nicht als Langzeittherapie und sollte nur kurzfristig im akuten Morbus Crohn-Schub angewendet werden. Gelegentlich kommt es auch vor, dass Kortison trotz entsprechender Dosierung und Anwendungsdauer nicht wirken will. Man spricht dann von einem steroidrefraktären Verlauf. Im Gegensatz dazu kann es andererseits sein, dass das Medikament nicht schrittweise abgesetzt werden kann, ohne erneute Symptomatikverschlechterung. Dies nennt man steroidabhängigen Verlauf.

 

 

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