Was ist Weihrauch?

Weihrauch bzw. Olibanum ist das Harz des Weihrauchbaumes, welches in erster Linie für religiöse und jetzt auch wieder vermehrt für medizinische Zwecke eingesetzt wird. Weihrauch ist ein sogenanntes Vielstoffgemisch, welches hauptsächlich aus ätherischen Ölen, Schleimstoffen und Harzsäuren besteht. Trotz dessen Komplexheit ist es eines der wenigen pflanzlichen Heilmittel, die in ihrer Wirkungsweise isoliert untersucht wurden. Ursprung, Unterscheidung der einzelnen Arten und die Geschichte des Weihrauchs sind Thema dieses Artikels.

verschiedene Arten von Weihrauch

Wo wächst Weihrauch?

Der Weihrauchbaum gehört in die Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae) zur Gattung Boswellia. Er ist ein knorriger Baum oder Strauch. In der Regel ist er nur leicht belaubt, von wenig hohem Wuchs und erreicht nur selten eine Höhe von mehr als 2 Meter. In manchen Gegenden wird er jedoch bis zu 8 Meter hoch. Dies liegt unter anderem daran, dass der Weihrauchbaum in wasserarmen, wüstenartigen Gegenden sein zu Hause hat, denn der Weihrauchbaum gedeiht besonders gut auf steinigen und trockenen Böden. Somit sind das Horn von Afrika (Somalia, Äthiopien), Arabien (Oman, Jemen) und Indien (Bergland) die Gegenden, in denen der Weihrauchbaum heimisch ist. Am Ende seiner Zweige bilden sich weiße bis rosa Blüten. Je nach Gegend sind unterschiedliche Arten von Boswellia typisch.

Die Gattung Boswellia wird selbst noch in 25 Arten unterteilt. Es werden aber nur bestimmte Arten zur Gewinnung von Weihrauch verwendet.

Weihrauchvorkommen nach Ländern (Martinez et al. 1969)
Boswelliaspezies Vorkommen
Boswellia bhau-dajiana Nordsomalia
Boswellia cartterii Somalia
Boswellia dalzieli Tropisches Afrika
Boswellia frereana Somalia
Boswellia neglecta Somalia
Boswellia odorata Tropisches Afrika
Boswellia papyrifera Äthiopien
Boswellia sacra Nubien, Südarabien
Boswellia serrata Indien
kleiner Weihrauchbaum

Die wichtigsten Anbaugebiete mit ihren Arten sind:

Weihrauchbaum in der Wüste von Oman

Häufig bekommen Sie im Gartencenter als Balkon- bzw. Beetpflanze eine Weihrauchpflanze (Plectranthus coleoides) angeboten. Diese aus Indien stammende Pflanze hat bis auf einen ähnlichen Geruch jedoch nichts mit dem traditionellen Weihrauchbaum (Boswellia) gemeinsam. Weitere Namen dieser Weihrauchpflanze, die zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) gehört, sind Elfenkraut oder Weihrauchnessel. )
Plectranthus coleoides (Weihrauchpflanze)

Wie wird Olibanum gewonnen?

Um Olibanum zu gewinnen, wird die Rinde bzw. des Holz des Weihrauchbaumen mit einem speziellen Schabemesser durch tiefe Einschnitten angeritzt. Das weißlich-mlichige Harz tropft aus diesen Einschnitten heraus trocknet und erstarrt. Denn auch Weihrauch, besitzt wie jedes Harz, eine Schutzfunktion für den Baum. Es dichtet die verletzte Stelle ab und verhindert dadurch das eindringen von Mikroorganismen und Pilzen. Der Duft, der durch die ätherischen Öle ensteht, hält zusätzlich noch Insekten ab. Während der Trocknung verfärbt sich der ursprünglich weißliche Saft in ein gold-gelb. Von antiken Völkern wurden diese goldenen Tränen als “Weinen” der Bäume gedeutet. Pro Baum können ca. 3-10kg Olibanum geerntet werden. In der Regel folgt nach drei aufeinander folgenden Ernten eine Erntepause von mehreren Jahren.

Unterschiedliche Namen für Weihrauch

Für das Olibanum (Harz des Weihrauchsbaumes) gibt es unterschiedliche Namen. Der Deutsche Name, “Weihrauch”, kommt vom althochdeutschen Begriff „wîhrouch“, was so viel wie „weihen“ bedeutet. Dies zeigt, dass Weihrauch in der deutschen Geschichte hauptsächlich für religiöse Zwecke eingesetzt wurde. Weltweit hat das Harz noch andere Namen. Weitere Namen sind “Salai guggal” (Indien), “Bakhour” (in den arabischen Ländern), “Olibanum” (lateinisch), “Libanos” (altgriechisch). Auch unter Incens und Frankincens ist das Harz des Weihrauchbaumes bekannt.

Boswellia Serrata

Boswellia Serrata ist eine Boswelliaspezies, die in Indien beheimatet ist. Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen wurden mit den Weihrauch-Harz von Boswellia serrata (indischer Weihrauch) gemacht. Somit gilt Boswellia serrata als die am besten untersuchte Weihrauchspezies. Indischer Weihrauch (Olibanum indicum) hat eine starke Wirkung in vielen Bereichen. Er bekämpft vor allen Entzündungen und ist entzündungshemmend. Die Zusammensetzung des Harzes sieht so aus.

Zusammensetzung des Boswellia serrata Harzes

  • Ätherisches Öl: 7,5-15%
  • Harz (Boswelliasäuren ): 55-57%
  • Schleimstoffe: ca. 23%

Interessant ist die Tatsache, dass Beswellia Serrate so gut wie keine Rolle bei der religiösen Anwendung (Räucherung) spielt, sondern sich die Anwendung des Harzes sich auf die Medizin konzentriert. Weiterhin ist sie die einzige Art, die im einem Arzneibuch gelistet ist und folglich für medizinische Zwecke in der EU zugelassen ist.

Boswellia Carterii

Boswellia Carterii ist in Südarabien und in Somalia beheimatet. Er ist unter dem Namen “Afrikanischer Weihrauch” sehr geläufig. Weitere für ihn sind “Mohor”, “Moxor” oder “Beyo”. In Somalia wird der Weihrauch sehr häufig geräuchert und dient als natürliches Mückenmittel. Weihrauchwasser wird bei Verdauungsproblemen oder Verkrampfung des Magen-Darm-Traks getrunken. Aber nicht nur für religiöse und medizinische Zwecke wird dieser Weihrauch verwendet. Ein großter Teil (manche Qeullen sprechen von ca. 90% der Ernte) dienen zur Herstellung von Parfüm. Die Zusammensetzung des Boswellia carterii Harzes unterscheidet sich von der des Boswellia serrata Harzes

Zusammensetzung des Boswellia carterii Harzes

  • Ätherisches Öl: 5-9%
  • Harz (Boswelliasäuren ): ca. 66%
  • Schleimstoffe: 12-20%

Boswellia carterii enthält 66% Boswelliasäuren. Dieser Wert ist etwas höher als bei Boswellia serrata. Wichtig ist jedoch der Gehalt der zwei wirksamsten Boswelliasäure (AKBA und KBA). Dieser Gehalt ist bei Afrikanischem Weihrauch weitaus höher als bei Indischem Weihrauch. Der AKBA Gehalt ist sogar um das 8fache höher als bei der indischen Variante.

Die Geschichte des Weihrauchs

Die Geschichte des Weihrauch beginnt vor rund 1000 Jahren vor Christus und dauert bis heute an. Während dieser Zeit wurde Weihrauch von Ostasien bis in den Westen für unterschiedliche Zwecke genutzt. Warum die Weihrauchstraße zu diese Zeit von großer Bedeutung war und welche Anwendungsgebiete es während dieser Zeit gab, werden im Folgenden erläutert.

Die Weihrauchstrße

Karawane auf der Weihrauchstrasse
Die Weihrauchstraße ist einer der ältesten Handelswege der Welt. Sie war neben der Seidenstraße einer der wichtigsten Handelsrouten. Über sie wurden Gewürze, Edelsteine und das wervolle Weihrauchharz (Olibanum) von Südostasien, Indien und Arabien bis an Mittelmehr transportiert. Die Weihrauchstrße bildet die Basis für den Aufstieg der arabischen Stämme zu Macht und Reichtum. Der Anfang der Weihrauchstraße lag im südlichen Oman, dem Ort, an dem der Weihrauch angebaut wurde. Vor dort aus führte die Landroute über Shisr Richtung Westen nach Shabwa im Jemen. Da das Rote Meer zu dieser Zeit als nicht befahrbar galt, verlief die Weihrauchstraße weiter über Medina, entlang der Westküste der Arabischen Halbinsel bis zum Mittelmeer.

Die Weihrauchstrasse

In der Blütezeit wurden bis zu 3.000 Tonnen Olibanum pro Jahr auf ihr transportiert. Die Hälfte des wertvollen Gutes war für das römische Imperium bestimmt. Jeder, der in die Produktion oder den Handel des Weihrauch-Harzes involviert war, konnte sehr reich werden. Während der über tausend Kilometer langen Reise des Weihrauchs, stieg der Wert der Ware mit jeder Station weiter an. Denn am Ende mussten von dem Erlös, die Kameltreiber, die Soldaten, welche zum Schutz vor Überfallen abbgestellt waren und Zölle bezahlt werden. Archäologische Funde lassen darauf deuten, dass auch die Wikinger seite Anfang des 9. Jahrhunderts nach Christus diese Handelsroute nutzten. Denn auf der schwedischen Insel Gotland werden immer wieder große Mengen orientalischer Münzen gefunden.

Anwedungsgebiete von Weihrauch in der Geschichte

In der Blütezeit des Weihrauchs gab es viele Abnehmer für das Harz. Denn die rligiöse und auch therapeutische Anwendung von Weihrauch hat eine Jahrtausende alte Tradition, die über verschiedene Kulturen hinaus geht. So wurde im alten Agypten Weihrauch zur Räucherung bei Zeremonien wie z.B. der Mumifizierung eingesetzt. Ein ähnliches Anwendungsgebiet konnte im alten Griechenland beobachtet werden, wo die Räucherung von Weihrauch über den religiösen Gebrauch (um ihren Göttern zu huldigen) auch noch zur Überdeckung des Gestanks in den sanitären Anlagen, eingesetzt wurde. Unter dem römischen Kaise Konstantin (4. Jahrhundert nach Christus) hielt der Weihrauch auch wieder Einzug in die christliche Kirche. Im Alten Testament wurde Weihrauch 36 mal und im Neuen Testament 4 mal erwähnt.
In der islamischen Welt wurde der Weihrauch nicht zu religiösen, sondern zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Ähnlich wie in der ayuvedischen Medizin Indiens wurde im Orient Weihrauch häufig in Verbindung mit Entzündungen und Nervenleiden eingesetzt. Die ayuvedischen Medizin setzte Weihrauch vor allem bei psychischen Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege und des Magen-Darm-Tracks ein. Anwednungsgebiete sind z.B. die foldenden Symptomen / Erkrankungen:

  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Infektionen
  • Atemwegserkrankungen
  • Leberentzündungen
  • Hauterkrankungen
  • Krebs
  • Warzen
  • Schmerzen

In der tradionell chinesischen Medizin (TCM) wird Weihrauch bis heute zu Behandlung von Hautkrankheiten und Erkältungen eingesetzt.

Aber nicht nur im Orient und in Asien spielte die medizinischen Anwendung von Weihrauch eine Rolle. So wurde unter dem Einfluss von Hildegard von Bingen auch in der europäischen Klostermedizin der Weihrauch zur Behandlung von Tinnitus und Schwehörigkeit eingesetzt. Zu Beginn des 20ten Jahrhunderts hat Weihrauch in der westlichen Medizin jedoch an Einfluss verloren. Erst gegen Ende der 1980er und Beginn der 1990er Jahre hat Weihrauch wieder ein Einfluss gewonnen.

Von 1872 – 1926 war das Weihrauchharz Olibanum sogar im Deutschen Arzneibuch aufgeführt, bevor es aus diesem verschwand. Ab 2008 wird indischer Weihrauch (Olibanum indicum) im Europäischen Arzneibuch (6. Ausgabe (Ph. Eur. 6) geführt. Seit diesem Zeitpunkt ist für Ärzte die Grundlage geschaffen, Weihrauch rezeptieren zu können. Grund für dieses Revival sind erste wissenschaftliche Studien zu der Wirkung von Weihrauch, welche ihn eine entzündungshemmende Wirkung bescheinigen konnten. In der traditionellen Medizin der Neuzeit wurde Olibanum innerlich und äußerlich eingesetzt (Entzündungen des Mund- und Rachenraums, chronischen Darmerkrankungen, Husten, Heiserkeit und bei rheumatischen Erkrankungen). Erst ist die innerliche Anwendung, dann die äußerliche Anwedung durch vermehrt aufkommende, chemische Medikamente ersetzt wurde. Bis vor wenigen Jahren hatte Weihrauch in der westlichen Medizin keine Bedeutung. Erst in den letzten Jahren wuchs das Interesse nach Olibanum wieder, da der es wegen seiner antientzündlichen Wirkung vermehrt geschätzt wird.

Weihrauchstraße: Like tears in rain, NabateensRoutes, CC BY-SA 3.0)

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